Heißt es geistiger Durchfall oder geistlicher Durchfall?

Heute hat mich ein Leserbrief erreicht, der mich freundlich darauf hinwies, dass ich im Artikel Netzhappen geht online eine Formulierung falsch gewählt habe. So schrieb ich in jenem Artikel über „geistlichen Durchfall“, während es korrekterweise hätte „geistigen Durchfall“ heißen müssen.

Als fleißiges Internetbienchen habe ich also dementsprechend schnell gehandelt und meinen Fehler korrigiert. Dabei ging es mir aber nicht mehr aus dem Sinn zu ergründen, weshalb es denn nun geistiger und nicht geistlicher Durchfall heißt. Es folgt ein Erklärungsversuch.

Geistlicher Durchfall – was ist das?

Tatsächlich scheinen nur wenige Leute den gleichen Fehler wie ich zu machen – so ergab die Suche nach „geistlicher Durchfall“ bei Google (inklusive der Anführungsstriche versteht sich) gerade einmal 39 Treffer. Schande also noch einmal auf mein Haupt. Im Bedeutungskontext scheinen sich diese Ergebnisse jedoch mit dem des geistigen Dünnschisses zu decken – es liegt also auch bei (den einigen wenigen) anderen Menschen einfach eine Verwechslung der altbekannten Redewendung vor.

Gehen wir nun aber einen Schritt weiter, und fragen uns, ob geistlicher Durchfall aber tatsächlich ein kennzeichnender und existenter Begriff sei. Wortwörtlich genommen würde dies dementsprechend wohl den dünnflüssigen Stuhl eines Geistlichen beschreiben. Geht ein Pfarrer mit Magen-Darm-Infekt auf die Toilette, landet er dort zumeist einen geistlichen Durchfall.

Richtig: geistiger Durchfall

Korrekterweise heißt es aber immer noch und wie bereits angemerkt geistiger Durchfall oder Dünnschiss. Laut einschlägigen Wörterbüchern bezeichnet diese Aussage dummes Geschwätz oder allgemein unsinnige Äußerungen.

Das heißt jedoch nicht, dass geistiger Flüssigstuhl auf unserem Planeten keine Existenzberechtigung findet! Ganz das Gegenteil scheint der Fall zu sein: ein Blick ins Nachmittagsprogramm der einschlägigen Privatsender offenbart, wie sehr die Deutschen sich zum Gehirnstuhl hingezogen fühlen.

Schlusswort

Auf der anderen Seite gibt uns geistiger Durchfall immer wieder Inspiration, über Dinge zu berichten, die einfach so obskur erscheinen, dass sie tiefer ergründet werden müssen. Mehr zu derartigen Netzhappen werde ich demnächst in der Serie „Netzhappen“ vorstellen. Wie immer ist auch hier noch kein genauer Fahrplan vorgegeben, was bei meiner Leserschaft, die sich derzeit wohl noch auf einige wenige Personen beschränkt, sicherlich nicht als allzu problematisch angesehen werden sollte.

Ich für meinen Teil verabschiede mich jetzt guten Gewissens vom Lokus der Gedankenverwertungsanlage und werde nicht spülen. Denn wie wir gelernt haben: geistiger Durchfall muss existieren, damit dieser Blog weiter bestehen kann.

Ramón

Ramón

Querdenker, Texter und Suchmaschinenoptimierer - der Schreiberling hinter Netzhappen.de

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