DDV & BITKOM vs. Datenschutzzentrum Schleswig-Holstein
Meldung vom 29. Nov 2008 um 19:11 Uhr | Keine Kommentare

Am 25.11. hat das Unabhängige Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) ein Positionspapier zum Permission-Marketing herausgebracht, in dem unter anderem der Deutsche Dialogmarketing Verband DDV sowie die BITKOM kritisiert wurde. Konkret ging es um die sogenannte Opt-In Regelung, die laut ULD vom DDV kritisiert wird.

Der DDV behauptet, mit dem Wechsel zum Permission Marketing würden sich folgende ökonomischen Effekte einstellen: “Umsatzrückgang in Milliardenhöhe, Wegfall von Zehntausenden von Arbeitsplätzen, erhebliche Steuermindereinnahmen”. An einer anderen Stelle behauptet der DDV, dass “ca. 372.000 Arbeitsplätze direkt und indirekt von der Versendung von voll adressierten Werbesendungen abhängig” seien. Es bestünde die “Gefahr eines Anstieges der Arbeitslosequote um 19%!! von heute 3,16 auf zukünftig 3,5 Mio”. “Dem Staat und damit die Bürger würde das fast 9,8 Milliarden Euro jährlich kosten.” Der Branchenverband BITKOM assistiert, wenn er behauptet, es gehe um “Hunderttausende Arbeitsplätze, … somit ein wichtiger Pfeiler unserer Volkswirtschaft”. Von den Gesetzeskritikern wird der Verlust von hunderttausenden Arbeitsplätzen an die Wand gemalt.

BITKOM behauptet gar: “Für den Mittelstand ist Direktmarketing die einzige finanzierbare Werbeform.”

Der DDV wehrt sich daraufhin gegen die in ihren Augen vom ULD verbreiteten “Falschinformationen”, und hat ihrerseits eine Presseerklärung herausgegeben. Aus der Erklärung vom DDV:

Patrick Tapp, Vizepräsident Public Affairs und Verbraucherdialog im DDV: “Das ist massive Meinungsmache, um die Politiker zu nötigen, möglichst alle überzogenen Forderungen bei der Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes durchzusetzen und jeglichen volkswirtschaftlichen Sachverstand außer Acht zu lassen.” Dieses Papier diene ausschließlich der politischen Profilierung eines Datenschützers und stelle jegliche volkswirtschaftliche Zusammenhänge in Frage, nach dem Motto “Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.” “Hier überschätzt sich jemand mächtig”, so Tapp.

Insbesondere verwehrt sich der DDV dagegen, die Kritik aus der Werbebranche gehe an Realitäten vorbei. Zweifellos hätte die Einführung der Opt-in-Regelung wirtschaftliche Folgen auf die gesamte Wertschöpfungskette des Dialogmarketings und würde Zehntausende von Arbeitsplätzen gefährden. Tapp: “Angesichts der drohenden Entwicklung für die Werbebranche wie für die Binnenkonjunktur ist es geradezu zynisch und unverschämt, zu unterstellen, Arbeitsplätze würden ,insbesondere im Bereich der bisherigen Schattenwerbewirtschaft’ wegfallen, oder, es gehe nur um die Absicherung ‘undurchsichtiger Profitinteressen’. Bei solch unsachlichen Formulierungen fragt man sich wirklich, welch unangemessenes Verständnis von Marktwirtschaft hier vorherrscht.”

Wahrscheinlich sind die Mitglieder des DDV und der BITKOM bisher eher selten mit ihren eigenen Methoden, wie z.b. mit dem Direktmarketing, konfrontiert worden. Vielleicht würden sie dann nicht so aggressiv und beleidigt reagieren. Es mag ja sein das sie sich falsch verstanden fühlen und den Schwarzen Peter von sich weisen, weil sie sich ja mit einem sogenannten Ehrenkodex von zwielichtigen Methoden distanzieren:

Der DDV setzt sich seit Jahrzehnten durch Ehrenkodices und Zertifizierungen konsequent für die Einhaltung des Datenschutzes ein – zum Teil mit über das Gesetz hinausgehenden Regeln.

Aber mal ehrlich – die Praxis zeigt das man sich für das Ehrenwort in der Werbebranche wahrlich nichts kaufen kann. Fast jeder von uns ist wird ständig mit aggresiven Werbeanrufen oder unangeforderter Werbepost belästigt. Ob das nur für die sogenannten Schwarzen Schafe der Branche gilt, mag ich nicht zu beurteilen, allerdings kommt mir das in der Realität nicht so vor. Durch die Art der Zurückweisung des Positionspapiers vom ULD, zeigt der DDV eher selbst, das sie ein falsches Bild der Marktwirtschaft haben, wo Menschen nur potentielle Kunden sind und nichts weiter, also ein rein auf Profit ausgerichtetes Menschenbild. Und das der DDV früher Direktmarketingverband hieß, spricht Bände.



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